Dienstag, 16. August 2011

Tag 15 Jorpeland N- Stavanger N

Tageskm: 6,5 Stand 143199

So schlimm wie befürchtet, war die Nacht nicht. Zweimal musste ich das Gästebett mit neuer Luft befüllen. Gegen 7:30 h wurden wir wach. Viele hatten hier nur einen Zwischenstopp eingelegt und so war schon sehr viel Treiben auf dem Platz.

Wir ließen uns davon nicht anstecken. Erst wurde gemütlich Kaffee gekocht und dann gefrühstückt. Als alles in Ruhe zusammen gepackt war, gingen wir noch an den Strand, ein paar mutige badeten, einige versuchten Ihr Glück mit der Angel.

Gegen 11 h verließen wir den Platz bei schönstem Sonnenschein. Erste Anlaufstelle die Tankstelle, Reifendruck kontrollieren. Dann ordneten wir uns in eine lange Schlange von Autos Richtung Fähre ein. Im Ort Jorpeland gilt Tempo 40 km/h. Unser Glück.....

Denn ca. 700 m nach der Tankstelle bog urplötzlich, ohne Blinker aus der Kolonne des Gegenverkehrs ein roter Toyota links ab, direkt vor unser Bike. Bruchteile von Sekunden später krachte es fürchterlich. Mathilda bohrte sich ungebremst in den Japaner. Myri flog über das Hindernis und ich knallte voll gegen den Dachholm und dann auf die Straße....Sche...ße.....Wo kam der her.....was ist deiner Frau passiert...

Ich lag auf dem Rücken, keine Schmerzen...zuerst...also Extremitäten kontrollieren...Beine ok...aber rechter Arm mit Funktionsausfall. Also schauen, Klapphelm auf, ... der war doch eigentlich auf...hmm. muss durch den Anprall geschlossen worden sein, man gut wie sich später rausstellen sollte. Unzählige Helfer waren vor Ort. Ich hatte nur einen Gedanken, MYRI..., sie lag ca. 6m von meiner Stelle entfernt. Also Helm ab, aufstehen....aber sie ließen mich zuerst nicht. Erst ein deutschsprechende Norwegerin verstand, mir geht es gut zumindest 80% von mir. Als der Helm ab war zu meinem Schatz, sie weinte, hatte Schmerzen, und wurde von vielen Helfern umsorgt.

Kippe her, Moped aus (kill off) und schon war die Ambulanz vor Ort und die Politi.
Wir wurden in die nächstgelegene Arztpraxis verbracht, keine 3Min später waren wir in der kleinen Station. Mir Wurde übel im Krankenwagen. So kam ich zuerst auf die Behandlungsliege. Zugang gelegt und Morphium in Unmengen hinein, dann in den rechten Arm, der war kürzer geworden und wurde sofort vor Ort gerichtet, (Auseinandergezogen mit lautem Krachen). Dann wurde meine Frau versorgt. Sie erlitt bei dem Unfall unzählige Prellungen, Stauchungen und Rippenbrüche. Als wir stabil waren, kam eine Taxe um uns ins Uniklinikum Stavanger zu überführen. Der Fahrer kein Wort Englisch oder Deutsch. Aber er hatte wie sich Rausstellen sollte eine Deutsche Frau, die kam mal eben so ganz schnell von zu Haus zur Praxis, der inzwischen benachrichtigte ADAC zickte auch rum.. und so konnten wir die Hilfe der beiden Deutsch-Norwegerinnen gut gebrauchen.
Die Politi kam zur Praxis mit den Resten unseres Gepäcks die in das Taxi geladen wurden. Dann ging es kurz zur Unfallstelle zurück, unsere persönlichen Gegenstände, wie Bekleidung usw. befand sich noch in den Koffern der Dicken. Kurz Umladen, inzwischen hatte die Frau des Taxifahrers mit Ihrem Mann organisiert, das die Dicke zu Ihnen nach Haus geschleppt wurde.

Dann ging es mittels Taxi über ca. 30 km nach Stavanger in die Uni-Klinik. Hier erklärten die Beiden noch schnell unser Unglück und das wir, wenn möglich abends die bereits gebuchte Fähre bekommen wollten. Dann mussten Sie wieder los, das Baby wartete.
Wir wurden sehr genau untersucht, geröntgt, und dann kam ein deutscher Chirurg. Der erklärte, mit nach Hause wird nix. Komplizierter Bruch, muss hier operiert werden.
Letztes Wort hatte schließlich ein Orthopäde aus Malaysia. Er erklärte mir in sauberem Englisch, heute würde eh nix mehr passieren, Schwellung zu stark und Not-Stromaggregat würde getauscht, Sonntag auch nicht, und Montag wäre ich ja wohl in Deutschland. Wir könnten fahren. Also wurde wieder ein Taxi gerufen, um uns ins ca. 15 km entfernte Tanager zu bringen, dem Hafen der Fjordline. Allein hierfür waren 600 NOK zu zahlen, von den Eigenanteilen in den Kliniken mal ganz zu schweigen.



Im Hafen angekommen, versuchte ich einen Trolli zu ergattern, aber die Reederei bedauerte..... absolut keinerlei Hilfe bekamen wir. Nicht zu fassen, dabei hatten wir Kabine DeLuxe gebucht. Man gut das wir einen Großteil des Gepäcks dem Taxipärchen mit gegeben hatten, so konnten wir alles allein schleppen.
Und so legten wir gegen 21:15 h in Stavanger wie geplant ab, in einer wunderschönen Kabine mit Blick aufs Meer über dem Bug. Nur genießen konnten wir diese Überfahrt nicht, zu stark waren die Schmerzen, der Schock und die Frage... wie geht es weiter.....

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